Smartphone App oder GPS-Gerät, was ist in Extremsituationen besser?

Nach Unfällen, wie dem tragischen Tod von mehreren Skitourengehern auf einer Haute Route Etappe im Wallis am 29.04.2018, erreichen uns oft Anfragen, welchem Gerät man in derartigen Situationen mehr vertrauen kann. Leider kann man dazu keine einfache Antwort geben, da beide Systeme ihre Stärken und Schwächen haben.

In Extremsituationen (Bergnot aufgrund von Schlechtwettereinbruch etc.) sind aus unserer Sicht folgende Punkte wichtige Entscheidungsgrundlagen:

 

Kartengrundlage am Gerät: 

Ohne einer sehr hochwertigen Kartengrundlage bringt in dem Fall (Orientierungslosigkeit im vergletscherten Hochgebirge) weder das GPS-Gerät noch ein Smartphone mit einer App etwas. Das heißt, man muss/sollte also sowohl am GPS-Gerät als auch in der App am Smartphone hochwertige topografische Karten (wie z.B. die Swisstopo Karten oder AV-Karten) oder eine hochwertige Vektorkarte zur Verfügung haben. Wichtig ist hier eine möglichst detailgetreue und genaue Geländedarstellung.



Qualitativ hochwertiger und aktueller Trackverlauf der Route: 

Das gilt ebenfalls wieder für beide Systeme. Habe ich, von welcher Quelle auch immer, einen stimmenden Trackverlauf der Route, dann kann man unter Umständen auch bei schlechter Sicht und einer nicht ganz so hochwertigen Kartengrundlage (siehe oben) weiter Navigieren. Aber Achtung:

  1. Auf vergletschertem Gebiet ändert sich aufgrund von Spalten und des Gletscherrückgangs die ideale Route ständig, weshalb man sich nicht blind einem veröffentlichten Track anvertrauen sollte.
  2. Aufgrund möglicher GPS-Ungenauigkeiten (sowohl bei der Aufzeichnung eines schon veröffentlichten Tracks, also auch bei der eigenen Navigation) können der gegebene Track und die eigene Positionsangabe von der Realität abweichen. Bei idealen Bedingungen (freie Sicht zum Himmel) ist das relativ vernachlässigbar. Ist die Sicht zum Himmel z.B. aufgrund von Felswänden oder dichter Bewölkung eingeschränkt, dann sind Abweichungen zwischen zwei Tracks von rund 60 Metern leicht möglich.

 

Batterie/Akku:

Ohne ausreichender Stromversorgung versagen leider beide Systeme. Der Vorteil vom GPS-Gerät ist in Extremsituationen der, dass es rein der Navigation dient und das Smartphone daher hauptsächlich als Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen kann. Somit schont man den Akku des Handys, um im Notfall noch Telefonieren zu können. Wichtige Tipps:

  1. Bei beiden Systemen ist es wichtig, die richtigen Einstellungen zum Energiesparen zu wählen. Das betrifft vor allem das Display (möglichst kurz verwenden, Helligkeitseinstellungen anpassen, Tastensperre aktivieren) und die Telefon- bzw. Datenverbindungen am Handy (offline Inhalte verwenden, mobile Daten deaktivieren bzw. generell den Flugzeugmodus aktivieren wenn ein Empfang nicht benötigt wird).
  2. Ebenfalls wichtig ist beim GPS-Gerät die Verwendung von kälteresistenten Batterien (NiMH-Akkus eignen sich bei Kälte leider nicht). Auch kann man bei beiden Systemen durch die Mitnahme eines externen Akkupacks die Laufzeit verlängern bzw. unterwegs nochmal aufladen. 

 

Alternative zum Smartphone:

Ist man öfter in Regionen unterwegs wo der Handyempfang sehr schlecht oder nicht vorhanden ist, dann kann man sich unter Umständen auch Gedanken zu Alternativen zum Smartphone machen. In dem Fall bieten sich Satellitentelefone der Anbieter Thuraya, Inmarsat oder Iridium an bzw. der Thuraya SatSleeve Adapter für Smartphones.

 

Systeme anwenden und bedienen können:

Zu guter Letzt ist es sehr entscheidend, dass man in Notsituationen das verwendete Gerät auch beherrscht und richtig bedienen kann. Hat man z.B. das GPS-Gerät immer nur als Backup im Rucksack mit dabei und versucht dann in einer schwierigen Situation zum ersten Mal damit zu Navigieren, dann wird man sicher an seine Grenzen stoßen. Das gleiche gilt für die Bedienung von Apps und so manchen Smartphone-Funktionen. Macht euch also schon vor einer Tour mit eurer Notfall- und Navigationsausrüstung vertraut und denkt auch an den totalen Ausfall elektronischer Hilfsmittel. 

 

Tipp:

Die Alpenvereine bieten regelmäßig Kurse an, wo wichtige Grundlagen in Orientierung, Kartenkunde und der Bedienung von Navigationsmitteln wie GPS-Geräten und Apps vermittelt werden. Informationen dazu könnt ihr bei eurer Sektion erfragen.   

 

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